„Ich mach` mir die Welt, widewidde wie sie mir gefällt…“
Pippi Langstrumpf
Unser Leitbild
Ein Wegbegleiter
Sie nehmen sich die Freiheit, ihre Bedürfnisse auf ihre Art zu formulieren, egal ob es in unsere geplante Tagesstruktur passt oder nicht. Auf diese Art bleiben sie beneidenswert nah bei sich selbst. Unsere Aufgabe ist es, weder moralisierend noch bewertend unseren Bewohnern diese Freiheit zu erlauben, ohne dem Impuls nachzugeben, ihnen unsere persönliche Wirklichkeit aufzudrängen.
Wir, die wir uns möglicherweise in der Mitte des Lebens wähnen, fällt es schwer, die sichtbaren Merkmale der Vergänglichkeit zu akzeptieren und blicken zeitweise mit einem defizitären Blick auf den Alltag des Alters. Wir mögen nicht daran erinnert werden, dass auch unsere Vergänglichkeit fortschreitet, dass auch wir eines Tages vielleicht dementiell erkrankt sein werden. Dennoch hat das Anderssein aus unserer Sicht auch etwas sehr Reizvolles, was uns verführen kann, diese Welt nicht nur defizitär oder bedrohlich zu empfinden. Wenn wir diese Angst ein wenig verlieren, gelingt uns auch eine positive Haltung, die für unsere Arbeit unerlässlich ist.
Dadurch ist hier im Haus Katharina in dieser ver-rückten Welt eine Brücke entstanden, die wir täglich überschreiten um die Menschen in unserer Einrichtung zu begleiten. Wir nehmen das Anderssein an und lassen sie ihr Sein leben.
In dieser emotionalen Welt spielen Bedürfnisse wie Geborgenheit und Vertrauen eine große Rolle. Der oft geäußerte Wunsch nach einer häuslichen Umgebung ist beispielsweise weniger der konkrete Wunsch nach dem bisherigen Zuhause, sondern Ausdruck eines emotionalen Bedürfnisses. Was bedeutet also eigentlich „Zuhause“? Ein Ort, wo wir nach getaner Arbeit auf dem Sofa sitzen? Ein Ort, wo ich Ich sein kann? Vielleicht bedeutet es auch manchmal, einfach nur selbst bestimmen zu können, wie und wo ich mein Abendessen einnehmen möchte. Uns kommen Worte in den Sinn, wie gemütlich, willkommen, warm, sicher, entspannt und vielerlei mehr, also eher Gefühle als ein tatsächlicher Ort. Das Bild der Familie könnte hier als Hilfskonstrukt dienen.
Wir im Haus Katharina sehen darin das Bedürfnis unserer Bewohnerinnen und Bewohner in zwischenmenschliche Beziehungen eingebunden zu sein. Jeder Mensch möchte in seiner Persönlichkeit geschätzt und wahrgenommen werden. Wir wollen uns Menschen mit gerontopsychiatrischen Veränderungen, wie beispielsweise Demenz, zuwenden und auf kreative Art und Weise Zugang zu dem Wesenskern ihrer Persönlichkeit finden.
Aber auch wir haben ein Bedürfnis und eine Verpflichtung nach Fürsorge gegenüber den Menschen, die in unserer Obhut sind. Damit echte Wertschätzung an Raum gewinnen kann, versuchen wir ein Klima entstehen zu lassen, wo Fürsorge und Selbstbestimmung sich paaren dürfen.
Uns ist bewusst, dass gerade psychiatrisch veränderte Menschen immer wieder Phasen der Unsicherheit und Verwundbarkeit erleben. Gleichzeitig will jeder Mensch aber auch seine eigene Lebensgeschichte bis zum Ende selbst schreiben dürfen. In diesem Spannungsfeld bemüht sich das Haus Katharina eine Kultur zu leben, die sich aus Haltung, Berührung, Aufmerksamkeit, Toleranz, Verständnis und Anteilnahme nährt. Sie würdigt das Leben jedes einzelnen Menschen, der bei uns einzieht, durch das Bewusstsein, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner auf die Sorge anderer angewiesen sind, gleichwohl sie das elementare Bedürfnis des „So-seins“ ausleben wollen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, gelebter Fürsorge und respektvoller Autonomie Raum zu geben.
Betrachtet man den Alltag eines Pflegeheims durch die Brille der Heiterkeit und Sinnesfreude, ergeben sich oft Situationen, die von allen Beteiligten, Betroffenen wie Angehörigen und Mitarbeitern, intuitiv gleich empfunden werden. Ein echtes Lachen verbindet. Der Duft des Sauerbratens lässt uns alle das Wasser im Mund zusammenlaufen. Diese Erfahrungen machen uns alle zu ebenbürtigen Partnern, tragen zur Entspannung bei und lassen manche Klippen erfolgreich umschiffen. Es kann aber auch bedeuten, dass Genuss unterschiedlich empfunden wird. So kommt es durchaus häufiger vor, dass eine Bewohnerin oder ein Bewohner vielleicht mit Genuss am liebsten nur noch Süßes isst, während er Anderes verweigert. Während wir uns diesen Gelüsten kaum hingeben würden, möchten einige unserer Bewohner lieber das Gemüse kombiniert mit einer großen Portion süßem Kompott verspeisen. Warum eigentlich nicht? Sind die Produkte frisch und regional zubereitet, steht individuellen Geschmackskompositionen nichts im Wege.
Bei alledem geht es in erster Linie um eine Haltung, wie wir uns den Menschen in unserer Einrichtung nähern wollen. Wir wollen Brücken bauen, um den Bewohnern ein Lebensgefühl zu ermöglichen, das sie am ehesten an das Lebensgefühl ihres Zuhauses erinnert. Dabei gilt es immer abzuwägen, wieviel Struktur von außen nötig ist, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen und wieviel Raum wir der Spontanität lassen können.
Dazu gehören das entsprechende Tempo, der Lebensrhythmus und vor allem der Beziehungsanteil und die Atmosphäre, die die allermeisten schmerzlich vermissen. Nicht die Anzahl der geschälten Kartoffeln sind beispielsweise das Entscheidende, sondern die Kommunikation und Atmosphäre des Tischdeckens, das Einstimmen auf eine Mahlzeit, die auch demenziell veränderte Menschen noch gut in Erinnerung oder im Gefühl haben.
Leitung und Mitarbeiter vom Haus Katharina betrachten ihre Arbeitszeit als Lebenszeit. Auch wir fühlen uns in unserer ganzen Persönlichkeit im Haus angenommen. Wir betonen die Individualität und sind davon überzeugt, dass jeder seine eigene Farbe mitbringt, um einen wertvollen Beitrag zu unserem Gesamtgemälde einer lebendigen Organisation zu leisten. Viele Schlüsselpositionen in unserem Haus haben langjährige Mitarbeiter*Innen inne, die Strukturen sind gewachsen und gereift. Diese Kontinuität wirkt sich positiv auf das offene Klima aus und lässt uns krisenfest in die Zukunft blicken.
Wir pflegen eine wertschätzende und transparente Fehlerkultur, in dem wir stets Rolle und Person differenziert betrachten. Der Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern ist geprägt von einer Vertrauenskultur, in der wir davon ausgehen, dass jeder seine Ressourcen einbringt, um Haus Katharina zu einem erfolgreichen Unternehmen zu generieren. Die Leitung versteht sich dabei als vertrauensbildender Orientierungspunkt und Vermittler zwischen verschiedenen Versionen der Wirklichkeit.
Dieser Wegbegleiter beschreibt unser Leitbild und dient der Verdeutlichung unseres Auftrages, unserer Haltung: „Wir pflegen leben“!
